Opgedoken

Titel
Opgedoken

Jaar
2009

Pagina's
176



Der Ewige deutsche Jude

Mein Vater ist heute dreiundachtzig

Ich bin achtunddreissig

Das allein ist schon ein Band

Und wenn er mir erzählt

Von jener Welt, der Welt von gestern

Bin ich unersättlich

Und er ist unersetzlich

Uns bleibt nur noch so wenig Zeit

Er allein kann mir erzählen

Wie es damals war

Und wie er dem entfloh

Es ist mir unbegreiflich

Woher nahmst Du bloss den Mut

MuL.er lächelt mild und weise

Angst, mein Kind, und weiterleben über alles

Überleben, um Dich zu warnen

Was aus Menschen werden kann

Aus einem Volke, einst von mir geliebt

Damit Du nicht blind sein wirst

Ach Vater, ich bin so zerrissen

Wie kann ich Dir erklären

Es ist nicht Deine Schuld

Des Henkers Fluch ruht auch auf mir

Du entkamst, nahmst aber Deutschland mit

Mit ins Exil, wo ich geboren wurde

Hast mich gewarnt, doch nicht gelehrt zu hassen

Das neue Vaterland ist mein zu Hause

Deutschland immer noch ein leiser Schmerz

Irgendwie packt mich die Sehnsucht

Man hat Dich amputiert

Weggeworfen, nicht mehr haben wollen

Deutschland ohne Juden

Nicht für mich

Du, Vater, bist mein Ewiger Jude Deutschlands. Irene Lebram, Oktober 1984

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